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Bericht vom Workshop 5 am Sonntag Vormittag
“Krise – Arbeitsverhältnisse – Transformationsmöglichkeiten”

Nach 3 kurzen Inputs zu

  1. Kriseneinschätzung (Werner Rätz)
  2. gesellschaftl. Auswirkungen
    von Struktur und Bedingungen herrschender Arbeitsverhältnisse sowie mögliche Transformationsschritte und Behinderungenin alternative Verhältnisse bei bedingungsloser sozialer Absicherung (Brigitte Oehrlein)
  3. Konkrete Transformationsmöglichkeiten
    mit Bezug auf alternativen Umgang der Krisenauswirkungen in der Autoproduktion: Belegschaftsübernahmemodelle unter sozialer Absicherung und Konversionsmöglichkeiten unter ökologischen Bedingungen (Hinrich Garms)

sollte diskutiert werden, welche Auswirkungen sich ergeben, wird wachsende Arbeitslosigkeit als Ausdruck wachsenden gesellschaftlichen Reichtums begriffen, der andere Verhältnisse ermöglicht. Da ‚jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen’, die kapitalistische Logik verhindert, sollte erörtert werden, wie ihr zu entkommen sein könnte. Schließlich verhindern selbst alternative Belegschaftsmodelle sie nicht, da sie dem Markt unterworfen bleiben,  somit dem Zwang zur Profitmaximierung, Warenförmigkeit und Konkurrenz. In der Zwickmühle gefangen, das eigene Projekt unter diesen Bedingungen überlebensfähig zu halten, gelingt ihnen kaum, alternative Vorstellungen von gesellschaftlicher Demokratie umzusetzen, um herauszufinden, welche Produkte benötigt werden, ökologisch vertretbar sind, und wie ihr Produktionsprozeß gestaltet werden soll. Doch leider führte die Diskussion in andere Richtungen als zu überlegen, wie zu Forderungen und ihrer Umsetzung zu gelangen sein könnte, Chancen außerhalb kapitalistischer Logik aufzuzeigen, um über sie hinauszuwachsen, statt kapitalistische Bedingungen lediglich aushaltbar zu gestalten.

Hauptthema der Diskussion wurde Arbeitszeitverkürzung. Einerseits wurde erörtert, ob nicht umgehend weiter rationalisiert würde, so daß die Arbeitszeitverkürzung nicht einen neuen Arbeitsplatz schaffen würde, zumal auch die Arbeitsverdichtung weiter hochgetrieben würde. Den Einwurf, Rationalisierung und Produktivitätssteigerung als gesellschaftlichen Reichtum zu schätzen, statt ihn zu verdammen, änderte den Diskussionsverlauf nicht. Andererseits nämlich wurde mehrheitlich nicht von der Vorstellung abgewichen, jeder müsse einen Arbeitsplatz erhalten, da Teilhabe nur über Arbeit herstellbar sei.

Es bestand bei Einigen viel Skepsis, ob im Kapitalismus eine armutsfeste, individuelle und bedingungslose Existenzsicherung möglich sei. Daß erst sie die Freiheit schaffte, die kritisierten Arbeitsverhältnisse abzulehnen und sich mit Alternativen zu beschäftigen, wurde kaum zugestimmt. Statt dessen solle besser Hartz IV repressionsfrei durchgesetzt werden. Der Hinweis, abgesehen davon, daß Repressionsfreiheit den kap. Bedingungen ebenfalls zuwider liefe, seien alle Kriterien zur Bedürfnisprüfung schon Repression, die nur durch Bedingungslosigkeit aufzuheben sei, führte in keine andere Richtung.

Etwas schräg wurde es, als ein Teilnehmer sich gegen kostenlose Infrastruktur wandte, die Bedingung der Aufhebung von Warenförmigkeit, da der Wert (Warenform) von Dingen zu achten sei und der Erhalt finanziert werden müsse.

Ein weitere Kritikpunkt war, die Referenten würden zu sehr den Warencharakter der Arbeitskraft hervorheben, ohne Qualifikation und Kompetenz zu achten, wie denn zu nachhaltigen und gefragten Produkten ohne das vorhandene Wissen gelangt werden sollte. Ganz so, als gäbe es in einer nicht kapitalistisch geprägten Gesellschaft keine Bildung und kein Wissen mehr.

Während dem Teil der Diskussion zu Belegschaftsübernahmemöglichkeiten, wurden die Begriffe Belegschaftsübernahme und Konversion des Öfteren synonym benutzt. Die problematischen Auswirkungen des Wettbewerbszwangs auf dem Markt, der Absatzzwang der dazu führt, die kapitalistische Logik von Warenförmigkeit und Profitmaximierung zu erhalten, wurde kaum wahrgenommen.

Es wurde sogar Angst geäußert, die Freiheit zu verlieren, sich einen Mercedes erwerben zu dürfen, ohne kritisch zu hinterfragen, inwieweit dem Kapitalismus sinnlose Bedürfnisweckung nicht notwendig immanent ist.

Fazit:
Der Workshop war stark gewerkschaftlich besetzt, was in der Diskussion dazu führte, lediglich Verbesserung kapitalistischer Auswirkungen erreichen zu wollen, doch nicht die Arbeitsverhältnisse selbst überwinden zu wollen.

Brigitte Oehrlein, Hinrich Garms, Roland Klautke